Blackface ist kein Party-Gag! 1


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Wir, die Türkis Rosa Lila Villa, haben letzte Woche die aktuelle Ausgabe der Xtra!, die immer in großer Stückzahl im Haus aufliegt, in den Müll befördert, da auf dem Cover eine Person mit bemaltem Gesicht (eine rassistische Praxis, die als “Blackfacing” bekannt ist) abgebildet ist. Das Cover-Foto wurde auf dem diesjährigen Kreativball des Club Kreativ aufgenommen, der unter dem Motto “Afrika – In der Bar zum Krokodil” stattgefunden hat. Die Bilder, die auf der Facebook-Seite und der Homepage vom Club Kreativ veröffentlicht wurden, zeigen ganze Gruppen von Besucher_innen in Blackface und diverse Formen von kultureller Aneignung.

Da der Verein Xtra! seinen Vereinssitz im Haus hat, möchten wir festhalten, dass es keinen über die gemeinsame Postadresse hinausgehenden Zusammenhang zwischen dem Magazin und der Villa gibt und wir uns ganz entschlossen vom Verein Xtra! distanzieren. Darüber hinaus fordern wir einen kritischen Umgang innerhalb der „queeren” Szene mit Rassismus, rassistischen Veranstaltungen, Bildern und deren Reproduktionen.

Wir finden, dass „gut gemeint” nicht immer gut ist. Auch wenn der Ball ein Charity-Event ist, entschuldigt das nicht im Geringsten die rassistischen Verletzungen, die dabei passiert sind. Dass etwas “nicht rassistisch gemeint” ist, heißt nicht, dass es nicht trotzdem rassistisch ist. Dass sich Leute selbst nicht als rassistisch wahrnehmen, bedeutet nicht, dass sie keine rassistischen Handlungen setzen können. Die Definition dessen, was rassistisch ist und was nicht, liegt bei Personen, die davon betroffen sind, Queers of Color, Schwarzen und migrantischen Queers! Sowohl Club Kreativ als auch das Magazin Xtra! wurden bereits öffentlich mehrfach dafür kritisiert. Soweit wir wissen, gab es bisher noch von keiner Seite eine angemessene Reaktion auf diese Kritik. Im Gegenteil: Die Antworten, die uns bekannt sind, waren wiederum rassistische Statements, Verleugnungen und Verunglimpfungen. Neuere Reaktionen wollen von der eigentlichen Frage ablenken und vermeiden, sich mit den rassistischen Überschreitungen auseinanderzusetzen.

NotYourMascot-1024x769Leider sind diese Beispiele, wenn auch sehr extrem, keine Ausnahme in der LGBTIQ-Szene und -Bewegung in Wien. Rassistische “Scherze”, Performances, “künstlerische Freiheiten”, Verkleidungen, Outfits, bemalte Gesichter, Perücken und Imitationen von Akzenten als Party-Gag  werden immer wieder als Showeinlagen benutzt. In der Realität ist das immer an der Hautfarbe, an kulturellen, exotisierenden Zuschreibungen festgemacht zu werden, kein „cooles Outfit“, das je nach Stimmung an- und abgelegt werden kann. Übergriffe auf Schwarze Menschen und People of Color passieren leider die ganze Zeit. Sie erleben Diskriminierungen, physische und psychische Gewalt – innerhalb und außerhalb der Szene.

Um eine Ahnung zu bekommen, was “Blackface” und kulturelle Aneignung bedeuten, können wir einige gute Artikel empfehlen.
http://www.lesmigras.de/blackface-in-lsbtiq-communities.html
http://migrazine.at/artikel/definitionsmacht-enteignen

Auf diese beziehen auch wir uns und greifen folgendes Zitat von LesMigraS als Anregung heraus:

“Wir gehen von einem breiten Verständnis von ‚Blackface‘ aus: wir verstehen nicht nur Darstellungen als ‚Blackface’, in der es um das Schwarzmalen von Gesichtern geht. Wenn eine weiße nicht-muslimische Person sich das Gesicht oder Haut mit schwarzer Farbe bemalt oder eine Afro-Perücke trägt, mit Kopftuch auf die Bühne tritt, mit so genanntem  ‚chinesischen Akzent’ spricht, oder mit Federn im Haar ‚Native American’spielt, sind das typische Beispiele von ‚Blackface’.”

Wir haben als Community die Verantwortung, dass solche Sachen nicht passieren. Weiße Mehrheitsösterreicher_innen müssen den von Rassismus Betroffenen zuhören und ihre Kritik ernst nehmen. Das heißt auszuhalten, auf Fehler oder eigene Rassismen aufmerksam gemacht zu werden, und zu versuchen, daraus zu lernen. Es heißt aber auch, Rassismen als solche zu benennen und Freund_innen auf rassistische Äußerungen und Handlungen aufmerksam zu machen. Weiße Leute dürfen nicht darauf warten, dass Rassismen von Schwarzen Leuten oder People of Color angesprochen werden, sondern wir alle müssen selbst aktiv werden.

meinjuliusEs gibt viele Beispiele, wie People of Color sich gegen kulturelle Appropiation wehren und somit die dahinter stehende gewaltvolle Kolonialgeschichte deutlich machen. Bitte schickt uns weitere Beispiele, wir sammeln sie gerne!

Mein Julius ist ein Beispiel aus Wien:
http://www.meinjulius.at/
Zwarte Piet is racisme ein Beispiel aus den Niederlande:
http://zwartepietisracisme.tumblr.com/
https://www.facebook.com/zwartepietisblackface/
Not your Mascots eines aus den USA:
http://www.notyourmascots.org/

 


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One thought on “Blackface ist kein Party-Gag!

  • Mark

    Endlich ein gutes statement! Es ist traurig und verwerflich mit welcher leichtfertigkeit von Xtra reagiert wurde! Traurig das Rassismus hier in Österreich so tief verankert ist das nichteinmal ein LGBTQI Magazine versteht worum es hier eigentlich geht!